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Sir Walter Scott und der historische Roman
von Günther Derra

Als historischer Roman wird ein episches Werk bezeichnet, das in der tatsächlichen Vergangenheit spielt und die Zeitepoche charakterisch wiedergibt. Der Held kann dabei eine tatsächliche historische Persönlichkeit oder eine fiktive Gestalt sein. Meisterwerke dieser Gattung verbinden spannende Erzählung und historisch echte Darstellung. Die Wiederherstellung einer verbürgten Epoche und die Schilderung eines individuellen Schicksals einer Person in dieser Zeit sind die zwei wesentlichen Aspekte des historischen Romans. Als Begründer dieses Genres gilt Sir Walter Scott, der 1820 den Titel Sir erhielt. Walter Scott wurde am 15.8.1771 in Edinburgh geboren und starb am 21.9.1838 in Schloß Abbotsford (Roxburgshire). Ursprünglich Rechtsanwalt (seit 1792), fertigte er Übersetzungen und sammelte Balladen, Märchen und Lieder seiner schottischen Heimat, die er nachdichtete (MINISTRELSY OF THE SCOTTISH BORDER, 3 Bände, 1802/03) Es folgten romantische Verserzählungen aus der Ritterzeit. Die Verserzählungen sind gesammelt in The LAY OF THE LAST MINSTREL, dt. Der letzte Minstrel(1805), MARMION (1808) und THE LADY OF THE LAKE, dt. Das Fräulein vom See (1810). 1814 legte er mit WAVERLY den Grundstein für den historischen Roman, er veröffentlichte ihn zuerst anonym; der Erfolg dieses Romans veranlaßte ihn, weitere Bücher anonym unter dem Hinweis "vom Verfasser von Waverly" zu schreiben und seine Identität geheim zu halten, erst 1827 gab er sich als Autor zu erkennen. Für seine historischen Romane betrieb er historische und volkstümliche Studien. Die "Waverly Novels" umfassen insgesamt 27 Bände, die fünf Jahrhunderte schottischer und englischer Geschichte widerspiegeln. WAVERLY schildert die Zeit des 18. Jahrhunderts, IVANHOE (1819) das mittelalterliche England um 1200, KENILWORTH (1821) die Zeit Königin Elisabeth I. von England und QUENTIN DURWARD (1823) spielt am Hof Ludwigs XI. Scott stellte fiktive Gestalten in den Mittelpunkt seiner Romane, er ließ sie aber auch mit historischen Persönlichkeiten und Sagengestalten zusammentreffen: So trifft Ivanhoe, eine erfundene Figur, auf Johann Ohneland und den legendären Robin Hood. Ivanhoe ist sein erfolgreichster Roman geworden, er spielt zur Zeit der Kreuzzüge und schildert die Auseinandersetzung zwischen Angelsachsen und Normannen. William von Ivanhoe, von seinem Vater enterbt und verstoßen, gewinnt beim Turnier gegen seinen normannischen Widersacher und die Liebe der Lady Rowena, die jedoch von seinem Widersacher geraubt wird. Mit Hilfe Robin Hoods und des in schwarzer Rüstung aus Jerusalem und Gefangenschaft zurückgekehrten König Richard Löwenherz kann sie jedoch befreit werden. Nach zahlreichen Kämpfen kann er Lady Rowena heiraten und sein Erbteil erhalten. Die schöne Jüdin Rebecca, die ihn nach einer Verwundung pflegte, entsagt und verläßt England. Ivanhoe ist nicht zuletzt durch Verfilmungen bis heute populär. Scotts Romane wurden nicht nur in England, sondern auch auf dem Kontinent begeistert gelesen, wo ein regelrechtes "Scott-Fieber" einsetzte. Scott regte weitere Schriftsteller an, sich in diesem Genre zu versuchen.

Weitere Werke Scotts sind:
GUY MANNERING (1815)
ANTIQUARY (1816)
OLD MORTALITY (1816) (1824 unter dem Titel Die Presbyterianer erschienen)
Das Herz von Midliothian (1818)
ROB ROY (1818) (Robin der Rothe)
THE BRIDE OF LAMMERMOOR (1819)

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letzte Änderung am 24. September MCMXCVIII