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Das neue Programm der Space-Night
Auf der Suche nach den verlorenen Jahrhunderten und dem Zusammenhang zwischen Theologie und Science-Fiction
Seit dem 1. Januar
ist das wöchentliche Programm der Space-Night beim Bayrischen Rundfunk
neu gestaltet. Neben den weiterhin laufenden interessanten Wissenschaftsmagazinen
„Alpha Centauri“ mit Prof. Dr. Harald Lesch und „Aerospace“ mit dem deutschen
Wissenschaftsastronauten Thomas Reiter, gibt es ebenfalls die Earth Views,
mit von Musik verschiedenster Stilrichtungen untermalten Bildern der Erde,
aufgenommen aus der MIR oder dem Space Shuttle. Der dritte Beitrag der
Space-Art David Hardy’s läuft Dienstags als erstes.
Die Highlights aber sind zwei neue
größere Beiträge. Eine neue Doku von Klaus Simmering, der
im letzten Jahr mit seiner Suche nach dem UFO-Antrieb Aufsehen erregt hat.
Diesmal jagt er möglicherweise nicht existenten 300 Jahren hinterher:
„300 Jahre erstunken und erlogen?“. Es gibt da nämlich ein paar Leute,
wie der Systemanalytiker Heribert Illig, die der Meinung sind, daß
der fränkische Kaiser Karl der Große nie existiert hat, sondern
nur eine Erfindung eines Amtsnachfolgers ist, der seine Herrschaft und
Herrschaftsberechtigung mit einem gloreichen Vorfahren aufwerten wollte.
Im Laufe der Recherche ergeben sich Zweifel an der Art und Nachvollziehbarkeit
unserer Zeitrechnung selbst. So unternimmt Simmering Ausflüge
in den Bereich der C-14-Datierung und der Dendrochronologie (Datierung
anhand von Baumringen). Am Ende bleiben zwar nur Beweise für die Existenz
der 300 Jahre, allerdings lassen sich auch die Zweifel und Hinweise, die
für Illig und seine Theorie sprechen, nicht völlig entkräften.
Dies erinnert mich an einen Vortrag, den vor ein paar Jahren Hermann Ritter
auf einem Colonia-Con zum gleichen oder einem ähnlichen Thema gehalten
hat, wo auch diese Theorie vorgestellt wurde. Mit diesem Thema ist es aber
letztlich wie mit den UFOs: wenn man nur fest genug daran glaubt, findet
man immer Hinweise dafür, daß sie existieren, auch wenn es eine
überwältigende Menge von Gegenargumenten und -beweisen gibt.
- Sendetermin: Mittwochs nach „Alpha Centauri“
Ein weiterer Beitrag ist eine Diskussionsrunde
zum Thema „Theologie und Science-Fiction“. Hier diskutiert der Gießener
Theologie-Professor Linus Hauser mit dem Chefredakteur des Heyne-Verlags
für den Bereich SF und Fantasy Wolfgang Jeschke. Im ersten Teil mit
dem Untertitel „...phantastisch“ erklärt Jeschke zunächst die
Geschichte der SF und warum SF in Deutschland eine so schwache Akzeptanz
besitzt, im Gegensatz zu Amerika. Linus Hauser erzählt im Gegenzug
von den vier Kränkungen der Überheblichkeit des menschlichen
Selbstverständnisses, der „Kopernikianischen“, die die Erde nicht
mehr im Zentrum des Universums sehen wollte, der „Darwin’schen“, die den
Menschen nur noch als höherentwickeltes Tier ansieht, der „Freud’schen“,
die das Tier und seine Urinstinkte noch heute im Unterbewußtsein
erkennt, und die vierte, die „Androidische Kränkung“, die Maschinen
sieht, die die physische und intellektuell kreative Leistungsfähigkeit
des Menschen übertreffen werden. Ich denke, Hauser hat hier noch zwei
weitere Kränkungen vergessen: die „weibliche“, die die Frau dem Manne
gleichgestellt hat und die „gentechnische“, die die Einzigartigkeit des
Menschen als physisches Lebewesen in Frage stellt (Kloning, genetische
Aufwertung, etc.). Möglicherweise wird letztere erst noch kommen,
und steht mit Sicherheit im Zusammenhang mit der „androidischen Kränkung“.
Im letzten Drittel des Beitrags versucht
Wolfgang Jeschke die Größenverhältnisse des Universums
darzustellen. Leider unterläuft ihm dabei selbst ein fast schon banaler
Fehler um den Faktor 2,5, dies kann aber als Bestätigung für
seine Aussage gewertet werden, daß wir uns eigentlich keine rechte
Vorstellung von den Ausmaßen machen können, für ein Lebewesen,
dessen Gehirn sich in der Steppe entwickelt hat.
Eine wirklich interessante Diskussion,
die auch mit der einen oder anderen Neuigkeit (z.B. dem berühmtesten
Abonennten der „Astounding Stories“ von Hugo Gernsback) aufwartet. Sehenswert!
- Sendetermin: Sonntags nach „Alpha Centauri“.
Montags nach“Alpha Centauri“ kommt
noch eine Doku über das Astronautentraining der deutschen Astronauten
und die Auswahlkriterien, denen sie genügen müssen: „Astronautenblicke“.
Dann eine Doku über den sowjetischen/russischen
Kosmonauten Sergej Krikaljow, der das Ende der Sowjetunion auf der Raumstation
MIR ausgesessen hat. „Vom Stern gefallen“ - Sendetermine: Donnerstags nach
„Aerospace“ und Freitags nach den „Earth Views“.
Und auch immer noch im Programm sind
die „Space Cowboys“ (Dienstags), eine Zusammenfassung des Apolloprograms
mit den besten Bildern der Flüge von Apollo 8 bis 17, untermalt mit
der Musik der Endsechziger und Anfang der Siebziger. Von der Musik mit
Sicherheit der beste Beitrag der Space-Night, die ansonsten von Techno
geradezu überflutet wird (besonders ätzig: „New Frontiers“, Freitags
und Samstags im Programm). Als (Ex-)Grüner bleibt mir da nur in den
Worten des alten Cato zu sagen: „Ceterum censeo musicam technem prohibendam
esse,“ denn Techno-Musik ist so synthetisch, daß sie nicht mehr zu
Hundert Prozent biologisch abbaubar ist! ;-)
| Montag: | Dienstag: | Mittwoch: | Donnerstag: |
| Alpha Centauri | Space Art David A. Hardy 3 | Alpha Centauri | Aerospace |
| Astronautenblicke | Earth Views 3 | 300 Jahre erstunken und erlogen? | Vom Stern gefallen |
| Space Watch -
die Sternbilder des Monats |
Space Watch | Earth Views 4 | Earth Views 5 |
| Earth Views 2 | Space Cowboys | Space Watch | Space Watch |
| Der Mond | Der Mond |
| Freitag: | Samstag: | Sonntag: |
| Aerospace | New Frontiers | Alpha Centauri |
| Earth Views 6 | Earth Views 1 | Science Fiction und Religion 1 |
| Vom Stern gefallen | Space Watch | Cosmic Dancer |
| New Frontiers | Space Watch | |
| Space Watch | Earth Views 1 |
Außerdem werden sporadisch und aus
aktuellem Anlaß weiterhin Raketenstarts von Arianespace gesendet.
(Nächster
Start: 16. 02. 2000 - Flug 127, ARIANE 44LP mit Satellit SUPERBIRD-4)
Weitere Infos:
Spacenight
des Bayrischen Rundfunks
Arianespace (Termine
der nächsten Raketenstarts)
Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
letzte Änderung am 28. Januar MM