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Samstags nach ½ 10 irgendwo in Düsseldorf
erlebt und durchlitten von Widukind Swafhard

Der Berg rief und die Propheten strömten herbei. Diese Bemerkung ist zwar grammatikalisch richtig – doch reine Fiktion. Da hechelst Du über die Autobahn, erreichst die Landeshauptstadt um wieder einmal feststellen zu müssen, dass des Volkes Maul recht hat. „Kommst Du nach Düsseldorf“ so sagt es treffend „regnet es oder die Glocken läuten“. Diesmal läuteten die Glocken nicht. Dein Bestreben war es ja, pünktlich am Tagungsort einzutreffen – just diesen Raum mit den Geweihen erlegter kapitaler Böcke an den Wänden rechtzeitig zu erreichen. Es drängt sich hier die Frage auf und sie ist fast körperlich spürbar – wer hat sie geschossen, die die traurig von ihren Plätzen auf die Menschen zu ihren Füßen schauen und vor allem, wo wurden sie erlegt. Sind’s nun Jagdtrophäen der freien Wildbahn – oder doch mehr die Inkarnationen verbaler Kapriolen selbsternannter Genies. Der Unwissende grübelt, der Wissende schweigt.

Nun, wie gesagt, Du erreichst den Ort des geplanten Geschehen. Arbeitest Dich bis in besagten Raum vor – angezogen vom vielfältigen Stimmengewirr und stellst fest, Du bist der zweite Mensch im sonst leeren Raum. Der vernommenen Geräuschpegel kam dann doch wohl vom Fernseher nebenan.

Vor Anspannung bebend wartet Ihr also auf das Erscheinen der restlichen Streiterinnen und Streiter der guten Sache „Science Fiction“. Science Fiction muss ich Dir wohl nicht mehr erklären. Wenn doch, hier eine Kurzfassung: „Science Fiction (von englisch science: Wissenschaft; fiction: Fiktion, Einbildung), Sammelbegriff für alle Formen von Literatur mit phantastischem oder utopischem Inhalt, die sich auf der Basis naturwissenschaftlich-technischer Erkenntnisse mit zukünftigen Entwicklungen oder Ereignissen und deren Auswirkungen auf das menschliche Leben befassen. Durch dieses Interesse unterscheidet sie sich stark von der ihr nahe stehenden Fantasy-Literatur, die eher märchenhaft-phantastische Züge aufweist. Übergänge sind jedoch fließend“ (aus Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie - © 1998 Microsoft Corporation - um auch einmal aus den viel gepriesenen neuen Medien zu zitieren). Science Fiction teilt sich aber in verschiedene Bereiche. Im allgemeinen kannst Du von folgendem ausgehen: Man unterscheidet zwischen richtiger SF, Perry Rhodan und den diversen TV-Serien und Filmen nebst ihrer printmedialen Ablegern.

14.00 Uhr war bereits lange vorüber - und wir waren immer noch zweit. Da, endlich öffnete sich die Türe ein drittes Mal und herein kam der Vorsitzende des Ganzen. Gut, im Moment stand er noch rum – oder war’s vielleicht doch cognac. Er gesellte sich dann doch sitzend zu uns. Nach und nach trafen auch  die restlich verbliebenen Mitglieder des Vorstandes ein - auch einfaches Volk war vertreten.

Ein Vorstand hat nun nichts mit einem Vorsteher oder gar einer Vorsteherdrüse zu tun - da über-schätzt man die Funktion eines solchen doch sehr gewaltig. Er steht auch nicht vor oder rum oder so. Gut, manchmal steht er im Wege. Aber er lümmelt sich meist genau so auf den Stühlen herum wie ganz normale Menschen und fällt in zwei Teile – in einen männlichen und einen weiblichen. Es soll auch vorkommen, dass es umgekehrt ist.

Nachdem einige Zeit - außer der freundlichen Bedienung - niemand mehr durch die Tür lugte, schritten wir dann gemeinsam zur geplanten Tat. Wir versammelten Mitglieder - oder wie man das so nennt. Und dies machten wir gut und ordentlich. Man könnte fast geneigt sein zu sagen, wir taten es außerordentlich ordentlich. Deshalb hatten wir auch eine Tagesordnung. Und diese galt es halt abzuarbeiten und mit Erledigungsvermerken zu versehen. Wir, wir also arbeiteten ab und warfen nur so mit Erledigungsvermerken um uns. Der Vorsitzende trug vor - auch aus solchem Tun leitet der Vorstand und hier vor allem der Vorsitzende seine Existenz ab. Er trägt vor. Manchmal sogar richtig nachtragend.

Die Sitzung - auch dies ist bezeichnend - nahm ihren Lauf. Lebhaftes Mitmachen war angesagt. Es kam aber sehr, sehr selten vor, dass dem Vorsitzenden ins Wort oder sonst wo rein gefallen wurde. Er konnte zügig seinen Vortrag vortragen. Und er trug ihn mit leidvoller Miene - man konnte schon fast von einem sorgenvollen Antlitz sprechen - nun, er trug ihn aber mit Fassung vor.

Er wusste zu berichten, dass man in Gladbeck nur als Geiselgangster Beachtung findet, nicht aber als Veranstalter einer SF-Lesung - und sei sie noch so gut geplant. Planung hin, Planung her - das benötigte Publikum fehlte - und die Journaille zog enttäuscht von hinnen.

Aber die neu eingerichtet Home-Page konnte er nur in den höchsten Tönen loben. Und hier funkelten seine Augen vor Freude. Kam es nun daher, dass er sie selbst eingerichtet hat - oder ist’s doch eine Offenbarung künstlerischen Tuns.

Jetzt wirst Du mich wieder fragen, was ein oder eine Home-Page ist. Das hat mit einem persönlichen Heimboy nichts zu tun. Das ist mehr so eine Art „Zu-Hause-Seite“. Hat jeder Mensch - außer denen, die so was nicht haben.

Und dann wurde auch über das Science Fiction-Okular gesprochen. Was Science Fiction ist, weißt Du ja inzwischen - aber Okular ist uns noch unbekannt. Wenn Du - sagen wir mal - Botanik oder Germanistik studiert hättest, könntest Du jetzt mit dem akademischen Habitus irgend welchen Blödsinn von Dir geben - und ein jeder würde dies glauben, eine jede natürlich auch. Aber wenn Du kein Studierter bist, musst Du Dich schon an die Realität halten. Ein Okular ist also eine kleine, konkave, augenseitige Linse in einem Fernglas. Was dies jetzt mit SF zu tun hat, wird Dir im Moment verborgen bleiben. Aber gemach. Okular ist in diesem Zusammenhang auch nicht ganz so ernst zu nehmen, wie es den Anschein hat. Mehr im übertragenen Sinn musst Du dies sehen. Durch’s Okular betrachtet, soll man vieles deutlicher sehen. So z.B. auch den Schwachsinn in vielen SF-Romanen. Science Fiction Okular zählt man zu den Printmedien - einfachere Gemüter sprechen schon mal von einer Zeitung.

Ach ja, es wurde - wie bereits erwähnt - halt auch über das SF-Okular gesprochen. Es wurde festgestellt, dass der Verein in seinem Vereinsorgan so gut wie gar nicht stattfindet. Weil die Mitglieder - manch einer würde jetzt auch noch von Mitgliederinnen reden - weil eben diese Mitglieder, die ja den Verein erst ausmachen, kaum in Erscheinung treten. Es traut sich wohl kaum einer zu, etwas zu sagen, geschweige denn, was zu schreiben, was ihn an SF interessiert oder auch nicht. Aber Laut geben sollten sie schon, die Mitglieder. Und sei es nur, um den eigenen Namen mal unter einem Artikel in einem Fanzine zu lesen. Es muß ja nicht direkt eine klassische Kritik über ein Werk der Weltliteratur, wie z. B. der letzte PR-Roman von Uwe Anton sein. - Das Mitglied aber, das Mitglied an sich konsumiert lieber, denn es lebt ja in einer Konsum-Gesellschaft. Was jetzt hier aber nichts mit dem, nur den Älteren noch bekannten Kruppschen Konsum zu tun hat. Obwohl - und dies ist bei unseren Betrachtungen unbedingt zu beachten - der Fan schlechthin keine News mehr zu Papier bringt. Er hat heute I-Mehl, was immer das auch sein mag. Ich verwende da immer noch Type 405.

Viele finden ihr ureigenes Hobby, die Science Fiction, kaum noch im SF-Okular wieder, da die Berichte über Science im Blatt mit dem Anspruch auf spekulative Thematik überhand nehmen. Abhilfe wurde versprochen. Der neue, noch zu wählende Vorstand soll’s richten.

Ab und hin erscheinen im Okular ja auch Beilagen - mal ist’s eine Mitgliederliste, die dann so ganz und gar nicht die Wirklichkeit widerspiegelt. Dafür sind wir ja halt auch ein Science Fiction-Club - die Betonung liegt hier auf Fiction - und da wäre eine der Realität zugewandte Mitgliederliste reine Fiktion. Dann wiederum liegt ein Werbegag eines sich für das Amt eines zweiten Vorsitzenden Bewerbenden dem Vereins-Boten bei. Eine Abhandlung mit viel Würde. Man würde ja viel tun, wenn... Sich aber den SFC NRW e.V. als Initiator von SF-Magazinen amerikanischer Prägung vorzustellen, grenzt schon gewaltig an Ufo-Gläubigkeit. Der kleine Unterschied zwischen einem Millionenpublikum in den USA und den etwa 50 Lesern von SF Okular fällt in diesem Zusammenhang wohl nicht so doll ins Gewicht - oder vielleicht doch?

Schwebt dem Förderer unentdeckter schreibender Genies - vielleicht sogar SF-Fans - vor, diese auch noch zu sponsern, um mit ihnen dann den Onkel-Bully-Preis der PRC Neuschwanstein zu erringen. Möchte er denn gern als Entdecker so bedeutender Lohnschreiber wie Tensor McDyke oder J. E. Wells in die Analen der deutschen SF eingehen. Gut, eine tolle Idee. Nur leider nicht durchführbar. Der SFC NW bekommt es zur Zeit ja noch nicht einmal fertig, ... aber siehe oben.

Ich schweife ab. - Denn auf einmal dräute Unbill. Area 49 kam zur Sprache. Trotz massiven Widerstandes zweier aufrechter Trotzköpfe war die überwältigende Mehrheit der Anwesenden für den Beitritt zum Club der Anhänger der Roswell-Mär.

Denn – und nur dies ist es, was uns umtreibt – SF soll ein jeder und eine jede zu seinem oder ihrem Hobby erheben. Die Flamme der Überzeugung lodert in uns – oder ist doch nur der Frust über vertane Zeit beim Lesen von zweit- oder drittklassiger SF. Und dieser Frust soll all den Leuten zuteil werden, die wir nicht leiden können. Deshalb, und nur deshalb kämpfen wir mit dem Schwert der dümmlichen Rede zu Nutz und Frommen unseres inneren Schweinehundes.

Aber nun weiter im Ablauf des Tuns versammelter Mitglieder. Es wurde der Vorstand entlastet. Das ist genau so, wie es die großen Firmen tun, wenn sie ihre Mitarbeiter entlasten, damit die nicht mehr so viel arbeiten brauchen und immer zu Hause bleiben dürfen. Nur kommt unser Vorstand immer und immer wieder. Wir aber, wir haben ihn entlastet – und wenn’s nur die mit den ehrlichen Gesichtern waren. Dies lässt in uns die bange Frage aufkeimen, haben wir den Vorstand nun entlastet oder haben wir nicht?

Und nun konnte man die sich anbahnende Apokalypse förmlich im Raum greifen - oder war’s doch nur der Untergang des Abendlandes. Eiseskälte erfasste das Herz eines jeden Zuhörers ob des drohenden Unheils, dass die Menschheit - na gut, nicht alle, aber so doch einen Teil davon - in naher Zukunft heimsuchen wird. Hatte der Vorsitzende doch die Stirn, die Frechheit - oder so etwas ähnliches - anzudrohen, und nicht nur zu drohen, nein er ließ sofort die Tat folgenden – und meldete seine erneute Kandidatur für den Posten des 1. Vorsitzenden an.

Bei Lichte besehen und mit einer Tasse Tee in der Hand ist das alles gar nicht so schlimm. Mißlicher für uns wäre es, er würde nicht kandidieren. So hätte er bedeutend mehr Zeit um uns mit unsinnigen Dingen zu belästigen. Aber so muss er nach seinen eigenen Ausreden leben und seine angeblich karge Zeit in den Dienst der guten Sache stellen - oder wie man das auch immer ausdrücken zu wagen möge.

Auf der Kandidatenliste tummeln sich aber auch Bewerber für die Funktion eines Beirates. Um Ghus Willen, was ist ein Beirat. Wo und wann beiratet ein solcher. Oder ist dies auch nur eine feine Umschreibung eines ganz anderen Tatbestandes. Sitzt ein solcher im Vorstand nur so rum und schläft. Das heißt dann aber ganz, ganz anders.

Wie gesagt. Wir waren alle außerordentlich ordentlich versammelt. Das Ergebnis unserer ordentlichen Ernsthaftigkeit schlägt sich auch im - an anderer Stelle dieses Blattes abgedruckten - offiziösen Bericht des noch amtierenden Vorstandes nieder.

Aber plötzlich hatte das gemüt-liche Beisammensein ein Ende. Die Tür öffnete sich um 17.00 Uhr ein weiteres Mal. Herein trat der Referent des Tages. Oktavius - oder doch mehr Octavius - Octopus wohl weniger - hatte sich nur um 90 Minuten verspätet.

Der Chronist konnte aber dem bestimmt kurzweiligen Vortrag leider nicht beiwohnen. Der häusliche Herd rief - und die samstäglichen Pflichten waren auch noch zu erledigen –  die Treppe und zwei Maschinen Buntes.

PS. Leider ist es dem Chronisten verwehrt diesen Bericht wie in der guten alten Zeit zu beenden. Wurde dort doch bei jedweder Zusammenkunft irgendeiner besoffen nach Hause gebracht. Aber in unserem soliden - nur dem Zukünftigen zugewandten Verein ist dies wohl mangels Masse (an Besoffenen) nicht möglich.
  
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Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
 
letzte Änderung am 13. Juli MCMXCIX