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Da
isser! Der lang erwartete Bundesverband für Phantastik und Innovation
(kurz: AREA 49) verbindet Autoren, Verlage, Druckereien,und natürlich
auch die Fans mit ihren Clubs miteinander. So soll es jedenfalls sein.
Die Gründungsversammlung am 29. November lief zumindest schon ziemlich
glatt über die Bühne - besser als ich meiner Erfahrung aus vielen
Mitgliederversammlung nach erwartet hatte. Die häufigen einstimmigen
Beschlüsse haben denn auch den großen Wal sprachlos den Kopf
schütteln lassen. Was nicht bedeuten soll, daß ihm alle nach
dem Mund geredet hätten. Mitnichten - die eine oder andere Stelle
in der Satzung fand Ungefallen und mußte nachgebessert werden.
Doch was bedeutet die Gründung dieses Bundesverbandes nun wirklich?
Zuerst einmal soll er den Kreativen (Autoren, Übersetzer, Publizisten
u.ä.) die Möglichkeit geben für ihre Produkte von den Verlagen
mehr Geld herauszupressen, also eine Art Gewerkschaft, und auch Aufträge
für Artikel, Bücher, Drehbücher etc. an entsprechend „Sach-
und Fachkundige“ zu vermitteln. Der Verband wird über die Vereine,
die bei ihm Mitglied sind, die größte Vereinigung von Fans sein,
und abgesehen von dem drei bis viermal im Jahr erscheinenden, mit Werbung
zugedröhntem „AREA 49-Magazin“, den Druck und den Vertrieb der Club-Fanzines
übernehmen, so daß den Redakteuren nur noch die Redaktionsarbeit
bleibt (schnüff, wie schade - nun seit Ihr ja richtig unausgelastet:
kein Belastungsjogging mehr zur Druckerei oder Copyshop und zur Post!),
und billiger soll’s obendrein auch noch werden. Und nicht zu vergessen
sind die „Events“: Die SF-Tage NRW, einst von unserem SF-Club NRW
erfunden, werden nun von AREA 49 gemanagt, neben weiterführenden Veranstaltungen,
wie dem „Y-Con“(bitte englisch aussprechen: „Wai-Konn“ - Warum-Con?), der
ein bestimmtes SF-Thema von vier S(Z)eiten betrachten soll. Auch soll anderen
Con-Veranstaltern bei der Finanzierung ihrer Veranstaltungen durch Anzeigenaquirierung
unter die Arme gegriffen werden.
Na, das hört sich ja alles gut und schön an, mag der Eine
oder Andere sagen, aber ob das auch wirklich so klappt? Hat sich Beluga
da nicht vielleicht zuviel vorgenommen und das Walfischmaul ein wenig zu
weit aufgerissen? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht; aber was ich
weiß, ist, daß in den vergangenen 50 Jahren, seit es ein Fandom
gibt, niemand bisher so weit mit einer solchen Idee gekommen ist. Angefangen
bei diversen fruchtlosen Versuchen, einen internationalen Con, wie vor
9 Jahren den „X-Con“ von der SFCD-Gruppe um Wolfgang Frisch, Herbert Thiery,
Walter Ahrweiler und Hartmut Klages, der sich nur zur peinlichen Fehlgeburt
entwickelte, auf die Beine zu stellen, bis zu den noch vergeblicheren Versuchen,
aus dem SFCD einen Dachverband für alle deutschen SF-Clubs zu machen,
was aber an der ausgeprägten Heterogenität des deutschen Fandoms
gescheitert war. Lange Jahre hieß es, daß ein Con in Deutschland
kaum mehr als 200 Teilnehmer auf das Parkett führen kann, solange
er nicht von Pabel (heute VPM) ausgerichtet wird (oder auch eine Con (ist
der Genus richtig?) des STAR-TREK-Fandoms). Von dieser Regel gab es nur
sehr wenige Ausnahmen, wie etwa der von K. N. Frick und H. Ritter ausgerichtete
„Euro“-FreuCon in Freudenstadt.
Und jetzt kommt plötzlich ein G. A. Post, der seinen Spitznahmen
„Beluga“ einem Wal (und nicht etwa dem „weißen“ russischen Kaviar)
entliehen hat, mit phantastischen Ideen, und führt alle Regeln des
deutschen Fandoms, an die wir uns alle gerade mal gewöhnt hatten,
ad absurdum! Sogleich treten sogenannte und selbsternannte Kritiker auf
den Plan, die prophezeien, daß alles was dieser Beluga anfaßt,
nichts werden wird. Warum eigentlich? Weil nicht sein kann, was nicht sein
darf? Oder weil sie es ihm schlicht und ergreifend neiden, daß er
in drei Jahren mehr erreicht hat, als alle anderen in dreißig? Dazu
kommt, daß es längst nicht mehr sein Projekt allein ist - er
hat Mitstreiter und viele Sympathisanten, die seine Ideen und Projekte
mit mehr als nur einem Lächeln unterstützen, gefunden, wie auch
den amerikanischen Star-Autor Alan Dean Foster, der sich sogar dazu herabgelassen
hat, ein Gründungsmitglied des neuen Bundesverbandes zu werden.
Ich habe es nicht unbedingt nötig, hier eine Lanze für
Beluga Post und AREA 49 zu brechen. Er hat mit Sicherheit auch seine Fehler,
aber: wer hat die nicht?! Anbetracht der Dinge, die er inzwischen geleistet
hat, und dem Engagement, mit dem er dabei ist, halte ich die Wahrscheinlichkeit,
daß er erreicht, was er sich vorgenommen hat, für gar nicht
so gering. Und jeder der ehrlich zu sich selbst ist, kann dieser Tatsache
nur zustimmen. Letztlich ist es ja auch nur zum Vorteil für das Fandom,
wenn seine Pläne aufgehen. Wer das in seiner Eitelkeit übersieht,
und arroganterweise meint, er habe es nicht nötig, solche Ziele zu
unterstützen, hat damit auch seinen Platz im Fandom verwirkt, da er
sich selbst unglaubwürdig macht.
Ich hoffe, daß AREA 49 zu einer das Fandom verbindenden Institution
wird, weil es das ist, was uns auch im Ausland wieder mehr Glaubwürdigkeit
und Anerkennung verleihen wird.
Ich hoffe aber auch, daß sich Beluga seine Erfolge nicht zu
Kopf steigen läßt, und daß er nicht vergißt, daß
das Fandom nicht nur aus Leuten besteht, die ihm zustimmen, sondern daß
er sich mit seinem Anspruch allen verpflichtet hat, und sich nun unter
Beweis stellen muß.
Und hier noch der obligatorische Hinweis auf
die Präambel
meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung
der RWTH-Aachen darstellen.
letzte Änderung am 4. Dezember MCMXCVIII