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AREA 49 - und was kommt jetzt auf uns zu?
von Matthias Pätzold

Bundesverband Phantastik und Innovation (AREA 49)Da isser! Der lang erwartete Bundesverband für Phantastik und Innovation (kurz: AREA 49) verbindet Autoren, Verlage, Druckereien,und natürlich auch die Fans mit ihren Clubs miteinander. So soll es jedenfalls sein. Die Gründungsversammlung am 29. November lief zumindest schon ziemlich glatt über die Bühne - besser als ich meiner Erfahrung aus vielen Mitgliederversammlung nach erwartet hatte. Die häufigen einstimmigen Beschlüsse haben denn auch den großen Wal sprachlos den Kopf schütteln lassen. Was nicht bedeuten soll, daß ihm alle nach dem Mund geredet hätten. Mitnichten - die eine oder andere Stelle in der Satzung fand Ungefallen und mußte nachgebessert werden.
Doch was bedeutet die Gründung dieses Bundesverbandes nun wirklich?
Zuerst einmal soll er den Kreativen (Autoren, Übersetzer, Publizisten u.ä.) die Möglichkeit geben für ihre Produkte von den Verlagen mehr Geld herauszupressen, also eine Art Gewerkschaft, und auch Aufträge für Artikel, Bücher, Drehbücher etc. an entsprechend „Sach- und Fachkundige“ zu vermitteln. Der Verband wird über die Vereine, die bei ihm Mitglied sind, die größte Vereinigung von Fans sein, und abgesehen von dem drei bis viermal im Jahr erscheinenden, mit Werbung zugedröhntem „AREA 49-Magazin“, den Druck und den Vertrieb der Club-Fanzines übernehmen, so daß den Redakteuren nur noch die Redaktionsarbeit bleibt (schnüff, wie schade - nun seit Ihr ja richtig unausgelastet: kein Belastungsjogging mehr zur Druckerei oder Copyshop und zur Post!), und billiger soll’s obendrein auch noch werden. Und nicht zu vergessen sind die „Events“: Die SF-Tage NRW, einst von unserem SF-Club NRW erfunden, werden nun von AREA 49 gemanagt, neben weiterführenden Veranstaltungen, wie dem „Y-Con“(bitte englisch aussprechen: „Wai-Konn“ - Warum-Con?), der ein bestimmtes SF-Thema von vier S(Z)eiten betrachten soll. Auch soll anderen Con-Veranstaltern bei der Finanzierung ihrer Veranstaltungen durch Anzeigenaquirierung unter die Arme gegriffen werden.
Na, das hört sich ja alles gut und schön an, mag der Eine oder Andere sagen, aber ob das auch wirklich so klappt? Hat sich Beluga da nicht vielleicht zuviel vorgenommen und das Walfischmaul ein wenig zu weit aufgerissen? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht; aber was ich weiß, ist, daß in den vergangenen 50 Jahren, seit es ein Fandom gibt, niemand bisher so weit mit einer solchen Idee gekommen ist. Angefangen bei diversen fruchtlosen Versuchen, einen internationalen Con, wie vor 9 Jahren den „X-Con“ von der SFCD-Gruppe um Wolfgang Frisch, Herbert Thiery, Walter Ahrweiler und Hartmut Klages, der sich nur zur peinlichen Fehlgeburt entwickelte, auf die Beine zu stellen, bis zu den noch vergeblicheren Versuchen, aus dem SFCD einen Dachverband für alle deutschen SF-Clubs zu machen, was aber an der ausgeprägten Heterogenität des deutschen Fandoms gescheitert war. Lange Jahre hieß es, daß ein Con in Deutschland kaum mehr als 200 Teilnehmer auf das Parkett führen kann, solange er nicht von Pabel (heute VPM) ausgerichtet wird (oder auch eine Con (ist der Genus richtig?) des STAR-TREK-Fandoms). Von dieser Regel gab es nur sehr wenige Ausnahmen, wie etwa der von K. N. Frick und H. Ritter ausgerichtete „Euro“-FreuCon in Freudenstadt.
Und jetzt kommt plötzlich ein G. A. Post, der seinen Spitznahmen „Beluga“ einem Wal (und nicht etwa dem „weißen“ russischen Kaviar) entliehen hat, mit phantastischen Ideen, und führt alle Regeln des deutschen Fandoms, an die wir uns alle gerade mal gewöhnt hatten, ad absurdum! Sogleich treten sogenannte und selbsternannte Kritiker auf den Plan, die prophezeien, daß alles was dieser Beluga anfaßt, nichts werden wird. Warum eigentlich? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Oder weil sie es ihm schlicht und ergreifend neiden, daß er in drei Jahren mehr erreicht hat, als alle anderen in dreißig? Dazu kommt, daß es längst nicht mehr sein Projekt allein ist - er hat Mitstreiter und viele Sympathisanten, die seine Ideen und Projekte mit mehr als nur einem Lächeln unterstützen, gefunden, wie auch den amerikanischen Star-Autor Alan Dean Foster, der sich sogar dazu herabgelassen hat, ein Gründungsmitglied des neuen Bundesverbandes zu werden.
Ich habe es nicht unbedingt nötig, hier eine Lanze für Beluga Post und AREA 49 zu brechen. Er hat mit Sicherheit auch seine Fehler, aber: wer hat die nicht?! Anbetracht der Dinge, die er inzwischen geleistet hat, und dem Engagement, mit dem er dabei ist, halte ich die Wahrscheinlichkeit, daß er erreicht, was er sich vorgenommen hat, für gar nicht so gering. Und jeder der ehrlich zu sich selbst ist, kann dieser Tatsache nur zustimmen. Letztlich ist es ja auch nur zum Vorteil für das Fandom, wenn seine Pläne aufgehen. Wer das in seiner Eitelkeit übersieht, und arroganterweise meint, er habe es nicht nötig, solche Ziele zu unterstützen, hat damit auch seinen Platz im Fandom verwirkt, da er sich selbst unglaubwürdig macht.
Ich hoffe, daß AREA 49 zu einer das Fandom verbindenden Institution wird, weil es das ist, was uns auch im Ausland wieder mehr Glaubwürdigkeit und Anerkennung verleihen wird.
Ich hoffe aber auch, daß sich Beluga seine Erfolge nicht zu Kopf steigen läßt, und daß er nicht vergißt, daß das Fandom nicht nur aus Leuten besteht, die ihm zustimmen, sondern daß er sich mit seinem Anspruch allen verpflichtet hat, und sich nun unter Beweis stellen muß.

 
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Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
 
letzte Änderung am 4. Dezember MCMXCVIII