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Nachruf auf ein gedrucktes Phänomen
Arno R. Behrend

Jürgen Thomann hat sich als Herausgeber des Phantastischen Themenzines KOPFGEBURTEN verabschiedet. Neue berufliche Pflichten machen es ihm unmöglich, das Blatt weiter herauszugeben. Im nicht gerade lichten Blätterwald des deutschen Fandoms stellten die KOPFGEBURTEN eine absolute Ausnahmeerscheinung dar. Waren die Ausgaben „Transreal“, und „Timewalk“ noch persönlich gefärbte Liebhaberprojekte, versammelten die sechs Fortsetzungen das Beste, was in Deutschland und außerhalb zum jeweiligen Thema zu bekommen war: die besten Sekundär-Artikel, die besten Stories, die besten Gedichte, die besten Zeichnungen. Wer etwa über die New Wave in der Science Fiction vor dem Genuß von „Nueva Terra“ nichts wußte, konnte sich hinterher als Kenner bezeichnen. Ab der dritten Ausgabe erschienen die KOPFGEBURTEN im A4-Format, ab der sechsten mit Hochglanzcover. Jürgens Layout-Kenntnisse nahmen immer mehr zu. Für jede Ausgabe gestaltete er ein neues passendes Design. Die vielen interessanten Illustrationen taten ein übriges. In diesen Heften steckten Herzblut, Begeisterung und Genialität, man könnte schon fast sagen, zu viel Genialität. Es ist kein Wunder, daß die KOPFGEBURTEN in wissen-schaftlichen Bibliotheken stehen. Wer kann allerdings schon wissen, ob die vielen guten Stories dort geschätzt werden. Das Publikum läßt sich jedenfalls schon lange nicht mehr an namenhaften Anteilen des Fandoms festmachen. Zu viele Fans haben nicht begriffen, was ihnen entgangen ist. Die KOPFGEBURTEN hätten einen Kurd-Laßwitz-Sonderpreis oder einen EuroCon-Award verdient. Sie können keinen mehr bekommen. Man muß es wohl umgekehrt betrachten und es als Auszeichnung empfinden, in den KOPFGEBURTEN veröffent-licht zu haben. Jürgen hat sich bei allen Mitarbeitern persönlich bedankt, eine Liste, die Iain M. Banks und Michael Moorcock mit einschließt. Als Forum für die semiprofessionelle SF-Szene in Deutschland hinterlassen die KOPFGEBURTEN eine Lücke die nicht leicht zu schließen ist. Ebenso hinterlassen sie einen Schatz an Ideen und Gedanken, eingefangen zwischen neun Paar Heftdeckel, die Fandom-Historiker der Zukunft viel-leicht einmal voll und ganz schätzen können.
 
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Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
 
letzte Änderung am 4. Dezember MCMXCVIII