VSFO-Logo Nachrichten aus der "Realität"
(zurück zum NadR-Index)
(zurück zur Indexseite)
 
19. August 1999
NASAs Glenn-Forschungszentrum stellt Forschungsprojekte für Durchbruchtechnologien im Bereich überlichtschnellen Reisens vor
Das Glenn-Forschungszentrum der NASA in Cleveland, US-Bundesstaat Ohio, hat jetzt die Auswahl von 6 Projekten theoretischer und experimenteller Forschung bekannt gegeben, die zu Durchbruchtechnologien im Bereich überlichtschneller Physik führen könnten.
Da die Entfernungen zwischen den Sternen so groß sind, daß das Reisen dorthin mit heute gebräuchlichen Raumfahrtantrieben mehrere 10000Jahre dauern würde, wurde bereits vor einigen Jahren am Glenn-(damals noch Lewis-)Research-Center der NASA das "Physics Breakthrough Propulsion Program" unter der Leitung von Maerc Millis in's Leben gerufen. Aufgabe war, die Physik nach Effekten zu durchforsten, die Möglichkeiten für neue Raumfahrtantriebe bieten, um die Beschränkungen der zur Zeit verwendeten Methoden zu überwinden. Dazu wurden in den letzten zwei Jahren Vorschläge für experimentelle und theoretische Projekte gesammelt und nach ihrer Machbarkeit und den Erfolgschancen bewertet. Etwa 60 Vorschläge wurden in dieser Zeit eingereicht und begutachtet. Daraus wurden jetzt sechs ausgewählt, die in der nächsten Zeit aus dem Budget von insgesamt US$ 430.000 gefördert werden sollen.

Die 6 Projekte und ihre hauptverantwortlichen Wissenschaftler im einzelnen:

(1) "Woodward"-Effekt
John Cramer (Universität von Washington, Seattle, US-Bundesstaat Washington) hat eine Versuchsreihe vorgeschlagen, mit der nachgewiesen werden soll, inwieweit sich ändernde Energieströme die Trägheit beeinflussen. Dies wurde bereits in der Theorie von James Woodward 1991 überlegt. Sollte dieser Effekt existieren, so ließe sich daraus eine neue, rückstoßfreie Methode für einen Raumfahrtantrieb entwickeln. Ebenso würde dies unser Verständnis erweitern, inwieweit Trägheit mit der uns umgebenden Materie in Zusammenhang steht.

(2) "Quanten-Vakuum-Energie"
Jordan Maclay (Quantum Fields LLC, Richland Center, Wisconsin) und MEMS Optical Inc. (Huntsville, Alabama) haben theoretische und experimentelle Arbeiten zum Studium der Quanten-Vakuum-Energie vorgeschlagen. Dazu wollen sie mikro-elektromechanische Geräte verwenden, um die Kräfte und energetischen Effekte zu messen, die von der Quanten-Elektrodynamik vorhergesagt werden.

(3) "Elektromagnetische Resonanz"
Harry Ringermacher (General Electric Corporate Research and Development, Schenectady, US-Bundesstaat New York) und Wissenschaftler der Washington Universität in St. Louis, Missouri, und des United Technologies Forschungszentrums in East Hartford, Connecticut, haben ein magnetisches Resonanz-Experiment vorgeschlagen, mit dessen Hilfe der Zusammenhang zwischen Elektromagnetismus, Masse und Zeit untersucht werden soll. Die Theorie dazu wurde bereits 1994 von Ringermacher in der Zeitschrift "Classical and Quantum Gravity" veröffentlicht.

(4) "Schwerkraft und Supraleiter"
Glen Robertson und Ron Litchford (NASA Marshall Raumfahrtzentrum, Huntsville, Alabama) möchten an einer experimentellen Studie über den möglichen Zusammenhang zwischen Supraleitern und Schwerefeldern, wie er in der letzten Zeit in mehreren Fachzeitschriften diskutiert wurde (Podkletnov-Effekt), arbeiten. Dabei wollen sie eine Torsionswaage, ähnlich denen, die zur Messung von materialabhängigen Schwerkrafteffekten genutzt werden, verwenden. [Dies soll wohl auf das bereits dort in Arbeit befindliche "Delta-G"-Projekt aufbauen. (M.P.)]

(5) "Überlichtschneller Quanten-Tunnel-Effekt"
Kevin Malloy (Universität von New Mexico in Albuquerque) und Raymond Chiao (Universität von Kalifornien in Berkeley) haben Arbeiten zum überlichtschnellen Quanten-Tunneleffekt vorgeschlagen. Bei diesem Effekt scheint Licht durch bestimmte Barrieren sich deutlich schneller zu bewegen, als durch den normalen Raum. Das vorgeschlagene Projekt soll einige der damit verknüpften "Überlichtgeschwindigkeits"-Hypothesen kritisch untersuchen.

(6) "Notwendigkeit von negativer Energie"
Serguei Krasnikov (Altamonte Springs, Florida) hatte vorgeschlagen, auf theoretischem Wege die Notwendigkeit von negativer Energie/Materie für hyperschnelles Reisen, wie sie in den letzten Jahren in der Fachliteratur diskutiert wurde (z.B. Alcubierre, van den Broeck) zu überprüfen. Hyperschnelles Reisen wäre eher durchführbar, wenn negative Energie/Materie nicht benötigt würde. [Das liegt daran, daß heute noch keiner weiß, ob so etwas entweder überhaupt existiert, oder, wenn ja, gar herstellbar ist. (M.P.)]

Mit diesen Projekten geht das Physics Breakthrough Propulsion Program in die Phase durchgeführter Forschung über. Das Programm ist Teil der fortgesetzten Bemühungen, die wissenschaftlichen Fortschritte, die für zukünftige Antriebstechniken notwendig sind, zur Verfügung zu stellen.Es wird durch das Advanced Space Transportation Programm, das vom Marshall-Raumfahrtzentrum in Huntsville, Alabama, verwaltet wird, und durch das Advanced Concepts Program des NASA-Büros für Weltraumwissenschaften in Washington, D.C. finanziert.

Quelle: NASA, Glenn Research Center, Physics Breakthrough Propulsion Program
Zusammenfassungen der Projektvorschläge(engl.)
Zur Erklärung der Problematik überlichtschnellen Reisens: Marc Millis' "Warp-Drive, when?"-Seite (engl.)

(zurück zum NadR-Index) ( zum Seitenanfang )


(zurück zur Indexseite)

Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.

letzte Änderung am 12. November MCMXCIX