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5. November 1998
Rotationsperiode eines Kuiper-Gürtel-Objektes erstmalig bestimmt
Am Observatorium der europäischen Südsternwarte in La Silla, Chile ist es jetzt zum ersten Male gelungen, die Rotationsperiode eines Objektes des Kuiper-Gürtels zu bestimmen.
Der Kuiper-Gürtel ist die Region jenseits der Bahn des Neptun, in der Objekte aus Eis und Geröll vermutlich unsere Sonne umkreisen. Das erste Objekt aus dem Kuiper-Gürtel (Kuiper Belt Object - KBO) wurde 1992 entdeckt. Seither wurden mehr als siebzig dieser zwischen 30 und 50 AE (AE - Astronomische Einheit - Entfernung zwischen Erde und Sonne - ca. 150 Mill. Km) entfernt kreisenden Körper gefunden. Man vermutet mehr als 100.000 KBOs, die größer als 100 km im Durchmesser sind, in dieser Region unseres Sonnensystems. Diese Körper sind vermutlich die Überreste aus der Enstehung unseres Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren. Man vermutet sogar, daß unser äußerster Planet Pluto wahrscheinlich nur der größte Vertreter dieser Objektklasse ist. Neueste Überlegungen lassen auch vermuten, daß die Kometen, die mit kurzer Umlaufzeit das innere Sonnensystem besuchen, dem Kuiper-Gürtel entstammen, und ihre schmutzigen Schneeballkerne nur kleine KBOs sind. Aufgrund der großen Entfernung, in der sie sich bewegen, können sie nur mit großen Teleskopen beobachtet werden.
Photo von 1996 TO66 und LichtkurveEiner der Höhepunkte der Erforschung des Randgebietes unseres Lebensbereiches, ist die Bestimmung der Rotationsperiode eines dieser Objekte, das als 1996 TO66 bezeichnet wird. Es wurde im Oktober 1996 von einer Gruppe Astronomen der Universität von Hawaii, die sich auf der Suche nach KBOs befanden, gefunden. Zwischen August und Oktober diesen Jahres hat man nun am ESO (European Southern Observatory - Europäische Südsternwarte) in La Silla, Chile, in sechs Nächten die Leuchtstärke dieses Objektes bestimmt und daraus eine Lichtkurve erstellt. Diese Kurve weist periodische Schwankungen auf, die sich alle sechseinviertel Stunden wiederholen. Da so kleine Körper im allgemeinen unregelmäßig geformt sind, beruhen diese Leuchtkraftschwankungen auf ihrer Eigenrotation, die bei 1996 TO66 somit ebenfalls 6 ¼ Stunden beträgt.
Diese Erkenntnis ist deshalb so bedeutsam, weil man annimmt, da 1996 TO66 ein relativ großer Brocken mit einem geschätzten Durchmesser von etwa 600 km ist, sich seine Rotationsperiode seit Entstehen des Sonnensystems kaum geändert hat. Auch der Kleinplanet Chiron, der sich in einem Orbit zwischen der Saturn- und der Uranusbahn bewegt, und dessen Herkunft im Kuiper-Gürtel vermutet wird, rotiert ebenfalls in sechs Stunden einmal um seine Achse. Dies kann uns Rückschlüsse geben über die Prozesse, die bei der Formung unseres Planetensystems im Gange waren.
Sehr wenig ist noch bekannt über die physikalische Natur der KBOs; sie sind so weit entfernt und lichtschwach, daß ihre Beobachtung, selbst mit den größten Teleskopen, sich an der Grenze des Möglichen bewegt. Neuere Geräte wie das VLT(Very Large Telescope - sehr großes Teleskop), daß auf dem Mt. Paranal in Chile errichtet wird, werden in den nächsten Jahren zu neuen und verbesserten Erkenntnissen über die Objekte des Kuiper-Gürtels führen, ebenso wie die von der NASA geplante Raumsonden-Mission „Pluto-Kuiper-Express“, die in 15 Jahren diese „letzte Grenze“ aus nächster Nähe erforschen soll.

Weitere Infos: Kuiper-Belt-Homepage
                      Ansichten des Sonnensystems
                      Hubble-Photos und Animationen von Pluto/Charon

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Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
 
letzte Änderung am 20. November MCMXCVIII