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15. Oktober 1998
Antarktis schrumpft nicht!
ESA Satelliten schaffen neue Erkenntnisse über das Ansteigen des Meeresspiegels

Die Antarktis schrumpft nicht - das eröffnete heute die Europäische Weltraumagentur ESA. Diese Ergebnisse des ERS(European Remote Sensing - Europäischer Fernerkundungs-) Satelliten werden am 16. Oktober 1998 von einem internationalem Team von Wissenschaftlern in der führenden amerikanischen Fachzeitschrift SCIENCE(s.u.) vorgestellt. Dennoch beeinhaltet dieselbe Untersuchung auch Hinweise darauf, daß ein Teil der Westantarktis sein Eis sehr schnell an den Ozean abgeben wird.
Das Team britischer, niederländischer und amerikanischer Wissenschaftler, unter dem Vorsitz von Professor Duncan Wingham vom Universitätskolleg London, stützen ihre Erkenntnisse auf den Daten, die ERS über fünf Jahre lang gesammelt hat.
Die Daten zeigen, daß der größte Teil des antarktischen Eises sehr stabil ist. Damit erscheint es jetzt als eher unwahrscheinlich, daß der eisige Kontinent die Ursache für den in diesem Jahrhundert global ansteigenden Meeresspiegel ist; wahrscheinlicher ist  stattdessen die Wärmeaudehnung des Meerwassers durch die globale Erwärmung und das Schrumpfen der Berggletscher.
Prof. Winghams Team verwendete das Radar-Höhenmeßgerät von ERS um zu bestimmen, ob sich in den fünf Jahren von 1992 bis 1996 die Dicke der antarktischen Eisschicht verändert hat. Nach Abstrahlung von mehr als 4 Millionen Radar-Impulsen, und dem Messen der Zeit, die die Echos für die Rückkehr zum Satelliten benötigten, konnte die durchschnittliche Höhenänderung der Eisschicht mit einer Genauigkeit von 0,5 cm pro Jahr bestimmt werden. Die Höhe der Eisschicht hatte sich danach im Mittel um weniger als einem Zentimeter pro Jahr  verändert. Zusammen mit früheren Messungen über die Veränderung des Schneefalls über der Eisschicht konnte das Team den Schluß ziehen, daß der innere Bereich der antarktischen Eisschicht nur 1,7 cm zum Anstieg des Meeresspiegels in diesem Jahrhundert beigetragen hat.
Insgesamt ist der Meeresspiegel in den vergangenen 100 Jahren um 18 cm gestiegen. Bisher hatte die Genauigkeit der Daten den Schluß zugelassen, daß die Antarktis sowohl für einen Anstieg, als auch für eine Absenkung  des Meeresspiegels um jeweils 14 cm verantwortlich hätte sein können. Wissenschaftler konnten daher nie wirklich die Rolle, die die Antarktis beim Anstieg des Meeresspiegels spielt, einschätzen. Nach den neuesten Forschungsergebnissen ist dies eine sehr kleine.
Die Ergebnisse stützen dagegen die Ansicht, daß die globale Erwärmung, die zu einer Wärmeausdehnung der Ozeane und einem Abschmelzen der Berggletscher führt, dafür verantwortlich ist. Als eine Konsequenz dieser Forschungsarbeit sollte man nun in der Lage sein genauere Vorhersagen über einen Anstieg des Meeresspiegels in der Zukunft zu treffen. Es ist sogar möglich, daß die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Weltmeere unterschätzt wurden.
Professor Winghams Team entdeckte außerdem eine rapide Abnahme der Dicke in dem am wenigsten bekannten west-antarktischem Einzugsgebiet. Das Thwaites-Gletscherbecken schrumpfte um immerhin 12 cm pro Jahr. Dies mag bedeuten, daß eine der lebensfeindlichsten Regionen der Antarktis einem schnellen Wandel unterworfen ist.
Das Wissen über die Vorgänge in Zusammenhang mit dem Anstieg des Weltmeerspiegels ist wichtig für Millionen von Menschen, die in Küstenregionen leben und deren Leben von Deichen abhängen, die den Naturgewalten widerstehen sollen. Die ESA wird auch weiterhin Satelliten ins All schiessen, die uns Daten für ein besseres Verständnis unserer Umgebung zur Verfügung stellen. Die globale Erwärmung mag beängstigende Auswirkungen haben, und um sie in den Griff zu bekommen, sind Satelliten im Weltall eine große Hilfe.
 
Weitere Informationen:
Franco Bonacina, Media Relations, European Space Agency, 0033 1 5369 7713
Patrick Edwards, Head of Media Relations, 0171 391 1621
Linda Capper,  British Antarctic Survey, 01223 221 448

Paper:
Antarctic Elevation change 1992 - 1996, D.J.Winghams et al. , erscheint in der Ausgabe vom 16. Oktober 1998 der Zeitschrift SCIENCE.
 

 
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Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
 
letzte Änderung am 19. Oktober MCMXCVIII