VSFO-Logo Nachrichten aus der "Realität"
(zurück zum NadR-Index)
(zurück zur Indexseite)
 
 
13. Oktober 1998
Galileo-Daten zeigen: Blitze auf dem Jupiter stehen mit Tiefdruckgebieten in Zusammenhang

Gewitterstürme in der JupiteratmosphäreMadison, US-Bundesstaat Wisconsin - Bilder der Raumsonde Galileo von Jupiter’s Nachtseite zeigen, daß die Blitze des Planeten von der großmaßstäblichen atmosphärischen Zirkulation kontrolliert wird und in Zusammenhang mit Tiefdruckgebieten steht.
Über diese neuen Entdeckungen berichtete Andrew Ingersoll am 13.Oktober 1998 beim 30. Jahrestreffen der Abteilung für Planetenwissenschaften der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft.
Ingersoll, Professor für Planetenwissenschaften am Kalifornischen Institut für Technologie(CalTech) und Mitglied des Galileo-Bilderfassungsteams meint, daß Blitze ein Indikator für Konvektion und Niederschlag seien. Diese Prozesse seien die Hauptquelle atmosphärischer Energie, sowohl auf der Erde, als auch auf dem Jupiter.
In einem irdischen Hurrikan, erklärt Ingersoll, zieht der niedrige Luftdruck in seinem Zentrum in Meereshöhe feuchte Luft in sich hinein. Wenn diese Feuchtigkeit in der Höhe auskondensiert und als Regen ausfällt, wird Energie frei.
Auf dem Jupiter wird Energie in einem ähnlichen Prozess vom warmen Inneren des Planeten zur sichtbaren Atmosphäre hinauf transportiert. Die neuen Erkenntnisse zeigen nun, daß sich auch auf dem Jupiter Blitze in den Regionen niedrigen atmosphärischen Druckes ereignen.
Auf beiden Planeten dreht sich die Luft gegen den Uhrzeigersinn um ein Tief in der nördlichen und im Uhrzeigersinn auf der südlichen Hemisphäre. Tiefdruckgebiete bezeichnet man dabei als »Zyklone« und Hochdruckgebiete als »Antizyklone«.
Auf dem Jupiter sind die Zyklone amorphe, turbulente Regionen, die in ost-westlicher Richtung verteilt sind. In den Aufnahmen der Raumsonde Voyager gebären sie sich schnell ausdehnende helle Wolken, die wie riesige Gewitterstürme aussehen. Die Galileo-Daten bestätigen jetzt, daß in diesen Gegenden Konvektion auftritt.
Man hatte sogar eine dieser grell leuchtenden Wolken auf der Tagseite beobachtet, und nur zwei Stunden später gesehen, wie sie auf der Nachtseite, immer wieder aufleuchtend, davon trieb.
Im Gegensatz dazu tendieren die Antizyklone des Jupiter dazu, langlebig, stabil und oval-geformt zu sein. Der große rote Fleck ist das beste Beispiel dafür( der GRF ist etwa von der dreifachen Erdgröße und existiert seit mindestens 100 Jahren), aber er hat noch eine Menge kleinerer Verwandte. Blitze, von den Antizyklonen kommend, wurden nicht beobachtet.
Dies kann bedeuten, daß die Antizyklone ihre Energie nicht durch Konvektion von unten beziehen und sich damit nicht wie Jupiter-Hurrikans verhalten.
Stattdessen erhalten sie sich dadurch aufrecht, daß sie mit den kleineren Strukturen, die aus den Zyklonen herausgeschleudert werden, verschmelzen. Das ist das, was man in den Voyager-Filmen sehen kann und was die Galileo-Blitz-Daten noch weiter untermauern. Unsicher ist nur, ob der Niederschlag aus Regen oder Schnee besteht.
Modelle irdischer Gewitter lassen vermuten, daß sowohl flüssiges Wasser, als auch Eis anwesend sein müssen, damit sich eine elektrische Ladung aufbauen kann. Um Regen zu bilden, müßte der Jupiter aber ziemlich naß sein, und das ist eine recht widersprüchliche Annahme.
Wasserwolke in der JupiteratmosphäreWasser ist sehr schwer von außerhalb zu finden, weil es von den Ammoniak-Wolken verdeckt wird, und die Galileo-Sonde hat eine trockene Stelle beobachtet, wo man sowieso nicht besonders viel Wasser erwartet hatte.
Glücklicherweise hat das Bilderfassungssystem Galileos einen flüchtigen Anblick einer Wolke erhascht, die so tief liegt, daß sie aus Wasser bestehen muß, wie Dr. Don Banfield von der Cornell-Universität, der dem Galileo-Bilderfassungs-Team angeschlossen ist, zu berichten weiß. Banfield zeigte Aufnahmen von der Wasserwolke nahe den konvektiven Zentren in den Zyklongegenden.
Diese Ergebnisse erscheinen in der Septemberausgabe von Icarus, dem internationalen Journal von Studien über das Sonnensystem. Ingersoll sagt, man wisse, daß das Wasser da sei und man wisse, wo es niederregnete und dies sei ein großer Schritt, um zu verstehen, woher das Wetter auf dem Jupiter seine Energie bezieht.

Bilder: NASA(2)

Weitere Bilder und Informationen sind einsehbar unter
http://www.jpl.nasa.gov/galileo
http://www.jpl.nasa.gov/galileo/sepo (für höhere Auflösung)

 
(zurück zum NadR-Index)


(zurück zur Indexseite)

Und hier noch der obligatorische Hinweis auf die Präambel meiner Seiten, und daß die Inhalte dieser Seite keine Meinungsäußerung der RWTH-Aachen darstellen.
 
letzte Änderung am 19. Oktober MCMXCVIII