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Schach in der utopisch-phantastischen Literatur
Michael Falkenstein
aus Science-Fiction Okular 175

Schach ist so abstrakt wie die Wissenschaft,
so komplex wie die moderne Technik
und so unendlich tief wie der Weltraum.
    N.N.

Viele Schachspieler sind Akademiker, und hier ist die Gruppe der Naturwissenschaftler und Ingenieure sehr stark vertreten. Das ist der gleiche Personenkreis, der sich auch für Science Fiction interessiert. Da bleibt es nicht aus, das auch das Schachspiel in unterschiedlicher Form in der SF-Literatur verewigt wurde. Doch warum ist das so, da Schach oberflächlich betrachtet doch eher ein Kriegsspiel zu sein scheint.
Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz sah Schach als eine Wissenschaft an. Das Problem der Stellung des Schachspiels zum Leben, zur menschlichen Kultur und zur Wissenschaft war aber bislang verhältnismäßig selten Gegenstand eingehender Untersuchungen. Gezielt hatte sich als erster Wilhelm Junk in Philosophie des Schachs (1918) damit beschäftigt, später Fritz Siebert in dem dreibändigen Werk mit dem gleichen Titel (1956-1959). In dieser Reihe dürfen aber auch die philosophischen Werke von Weltmeister Emanuel Lasker: Kampf (1907), Das Begreifen der Welt (1913) und Die Philosophie des Unvollendbar (1918) nicht fehlen, bei denen das letztere auch noch andere Bedeutung hat.
Professor Dr. G. Klaus bemerkte in einer ausführlichen Würdigung Laskers, das die Spieltheorie einen Grundpfeiler der Kybernetik bilde. Und es sei erstaunlich, daß Lasker in seinen philosophischen Schriften alle Grundgedanken der heutigen Spieltheorie vorweggenommen habe: er verwendete die kybernetischen Begriffe in seinem Werk Die Philosophie des Unvollendbar, wenn er auch andere Ausdrücke als die heute üblichen gebrauchte. Als Begründer der mathematischen Spieltheorie, einer Kombination von Psychologie und mathematischer Logik, gilt heute der Amerikaner John von Neumann. 

Es ist im übrigen durchaus denkbar, das die beiden sich gekannt haben, da Lasker 1933 über England nach New York emigrierte und von Neumann von 1933 bis 1957 Mathematikprofessor in Princeton war. M.F.
      Verschiedene Betrachtungsweisen nahm man in den bisherigen Werken vor. Die von Junk begründete „Isolationstheorie“ sieht das Spiel als außergewöhnliche Erscheinung ohne Bezug zur Kultur und zur menschlichen Psyche. „Die Sache steht so, als ob sich der Mensch irgendein neues SternSystem außerhalb des unsrigen künstlich verfertigt und nun seinem Geiste die Aufgabe gestellt hätte, die Regeln zu ergründen, nach denen die Gebilde dieser künst-lerischen Laune kreisen müssen.“ Dieses Zitat könnte sich genausogut auf die Science Fiction-Literatur beziehen, besonders wenn man das Erscheinungsdatum 1918 berücksichtigt. Die weitere Betrachtung soll deshalb klären helfen, ob es sich dabei um eine Zufall gehandelt hat.
Die nachfolgenden Autoren schließen sich der Vorstellung einer „insularen Lage“ nicht an. Die „Analogielehre“ sieht in der Schachpartie das Abbild des Lebenskampfes. G. Niehmeier versucht in seiner Arbeit Urschach und Brettschach (1929) eine Identität mit den Gesetzen des Weltalls herzustellen (Identitätstheorie). Am besten trifft es vielleicht die Schichtentheorie von der Lasas. „Das Schach ist dem Wesen nach ein Spiel, von der Form her eine Kunst und in der Darstellung eine Wissenschaft.“
In einer Abhandlung über „ernste Spiele“ meint der Philosoph Erdmann, er wisse nicht, ob ein Spiel Wissenschaft sein könne. Was er jedoch mit Sicherheit sagen könne, ist, Wissenschaft selbst sei ein Spiel. „Und nur der besitzt sie, der mit dem Erkannten zu spielen vermag.“
Um das Wesen des Spiels zu erfassen, bietet sich zunächst an, seine Entstehung zu beleuchten. Der niederländische Kulturhistoriker J. Huizinga begründet in Homo Ludens die Erfindung aller Spiele damit, daß der Spieltrieb als Element in jeder Kultur verwurzelt sei. Literarisch auf die Spitze getrieben hat dies übrigens Iain Banks in seinem Roman "The Player of Games", 
Unter dem Titel Das Spiel Azad, als Heyne SF 4693 erschienen.
          der Teil des Kultur(!)-Zyklus ist, und in dem im Imperium der Großem Magellanschen Wolke alle politischen Ämter bis hin zum Kaiser durch ein Turnier vergeben werden. Auch Siebert sieht die enge Verbundenheit des Schachs mit den Kulturen, in denen es bekannt war: „das Schach, einer alten Kultur erwachsen, aus ihr seine Kraft ziehend, in ihrem Geist eingewoben, später von jüngeren Kulturen aufgenommen und zu ihnen in die gleiche innige Beziehung tretend...“
Der Frage nach dem Wesen des Schachs nähern wir uns weiter mit der Suche nach den ihm zugrunde liegenden Elementen. Das Schachbrett ist das räumliche Element, die Figuren stellen die darin ruhende Materie dar. Durch die Zugfolge wird die Materie belebt und wir erhalten das zeitliche Element. Die Materie bewirkt in Zeit und Raum alle Veränderungen. Sie ist die schachliche Kausalität - die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.
Die Erkenntnistheorie lehrt, daß im Leben die Elemente Raum, Zeit und Kausalität die Erfahrungswelt, das menschliche Bewußtsein, prägen. Die Kausalität ist die Tätigkeit des Verstandes. Das Schach ist also erkenntnistheoretisch ein Spiel des reinen Verstandes. Raum und Zeit sind hier aber schachspezifisch, d. h. sie stehen in keiner Beziehung zu den Naturgesetzen. Schach ist daher ein Spiel des transzendentalen Bewußtseins, jenes Bewußtseins, das nicht auf den Erfahrungen des Lebens beruht.
Die Untersuchung der schachliche Prinzipien läßt dagegen viele Paralle-len zu den Naturgesetzen entdecken. Dadurch erhalten wir einen weiteren Bezug zu den Erscheinungen des Weltalls.
Da wäre z.B. das Energieprinzip. Es besagt, daß die in einem geschlossenen System vorhandene Energie nicht verloren gehen kann. Auf das Schach bezogen, läßt sich das so interpretieren, daß die Energie - dargestellt durch die Kraft der Figuren - im Laufe des Spiels nicht verlorengeht. Aber ergibt sich nicht ein Widerspruch dadurch, daß ja mit dem Schlagen und dem Abtausch von Figuren Energie verlorenzugehen scheint?
Bei genauerer Betrachtung erkennen wir aber, daß nach jedem Abtausch die Energie der geschlagenen Steine auf die zurückgebliebenen übergeht. So erhalten z.B. die Türme nach dem Bauerntausch offene Linien und dadurch gesteigerte Kraft. Bei fehlerhaftem Spiel geht die Energie an den Gegner über. Die Figurenkräfte lassen sich entsprechend der verschiedenen Gangarten durch Kraftlinien in Analogie zur Physik darstellen. Die Kräfte bestehen nach Siebert aus zwei Komponenten: einer statischen und einer dynamischen Kraft. Die erste wird ausgedrückt durch das Beharrungsvermögen, die Hemmung, die ein Stein auf den Gegner ausübt. Die Zweite ist die Verdrängungskraft, die durch die Fähigkeit des Schlagens erzeugt wird. Wie wir hier sehen, ist jeder Schachspieler immer physikalischen Prinzipien ausgeliefert.
Ähnliche Erfahrungen machen auch Astronauten, die immer wieder erklä-ren, das die Gefahren des Weltraums hauptsächlich darin bestehen, das man den physikalischen Grundgesetzen direkt ausgeliefert ist. Um solchen Gefahren vorzubeugen hilft nur eines: der menschliche Intellekt, das Bewußtsein. In komplexen Situationen sind auch Erfahrungen und die darauf gründende Intuition von Bedeutung.
Auch ein Schachspieler muß die Fähigkeit besitzen, umfangreiche Vorstellungen zu bilden und auszuwerten. Diese sind aber in einer Partie so vielfältig, das sie keinesfalls alle zu prüfen sind. Zum quantitativen Denken kommt auch im Schach deshalb stets das intuitive Denken hinzu da die Zahl möglicher Varianten die Berechnungsfähigkeit jedes Com-puters übersteigt. Hier setzt wider der Bereich der Intuition ein.
Diese setzt sich zusammen aus Spielerfahrung und dem Schachverstand und arbeitet im Unterbewußtsein. Oder wie K. Lindörfers Großes Schachlexikon sagt. „Diese Phantasie bewegt sich nicht frei, sie ist eingeengt durch Gesetze und Regeln und bewegt sich doch in schier unendlichen Tiefen!“ An dieser Stelle kann ich nur wiederholen: Das könnte sich genausogut auf die SF-Literatur beziehen.
Auf philosophischen Wege sind wir nun bereits tief in den Bereich des schachlichen Denkens eingedrungen. Wir haben gesehen, daß die Natur und das Leben mit dem Schachspiel ähnliche Berührungspunkte haben wie die utopisch-phantastische Literatur. Inwieweit das Schachspiel Berührungspunkte mit der utopisch-phantastischen Literatur hat soll im Folgenden dargestellt werden.

Der Schachautomat des Hofrats W. von Kempelen, den dieser 1770 am Hofe Maria Theresias präsentierte, ist einer der berühmtesten seiner Art. Er hatte nur einen Fehler: er funktionierte nur durch Betrug. An einem geräumigen Kastentisch war eine lebensgroße Figur befestigt, die das Aussehen eines Türken hatte; sie war festlich gekleidet und trug einen Turban. Im Inneren war ein zwerg-wüchsiger Schachmeister versteckt, der den linken Arm der Figur steuern konnte. Das Ding war also bestenfalls ein Manipulator. Das die Figur einem Türken nachempfunden war, war auch keineswegs eine Diskriminierung sondern sie sollte im Gegenteil einen Meisterspieler symbolisieren, da das Schachspiel über den türkisch-arabischen Raum nach Europa gelangt war.
Später führte der Wiener Hofmusiker Johann Nepomuk Maelzel die Maschine vor. Sie erreichte großes Aufsehen, vor und nach ihrer Enttarnung und ist auch heute noch in Literatur und Sprache präsent. 

 Die Bezeichnung für einen betrügerisch manipulierten Sachverhalt lautet heute noch „einen Türken bauen“ bzw. „getürkt“.
            Edgar Allan Poe persönlich wies in einer geistreichen kriminalpsychlogischen Untersuchung in Form der Kurzgeschichte Maelzels Schachspieler den Betrug nach. In der Kurzgeschichte "Moxon´s Master von Ambrose Bierce" taucht ein Schachroboter von ähnlicher Gestalt auf. Dieser funktioniert aber tatsächlich, so gar so gut, daß er seinen Schöpfer erwürgt, nachdem er eine Partie verliert. Auch in Gene Wolfe´s Kurzgeschichte "The Marvelous Brass Chessplaying Automaton" taucht erneut eine solche Maschine auf. In einem Deutschland der Zukunft, das wieder auf ein mittelalterliches Niveau zurückgefallen ist, funktioniert sie aber nicht, da es für den eingebauten Computer keinen Strom gibt. Als man schon zu Betrugszwecken ein Mädchen darin versteckt hat, taucht ein Krüppel mit psychokinetischen Kräften auf, der die Maschine in Gang setzt, doch die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten.
 In Poul Andersons Roman "A Circus of Hells" baut sich der Computer einer verlassenen Station aus Langeweile ein Schachbrett mit riesigen Roboterfiguren und spielt gegen sich selbst. Problematisch wird es erst als auf dem riesigen Schachbrett doch ein Raumschiff landet. In der Kurzgeschichte "Der Preis des Abgrunds" von Adrian Rogoz läßt ein weiterer Schachcomputer seine Gäste nur wieder frei wenn sie mindestens remis gegen ihn gespielt haben. In der Geschichte "Ein Leben für das Schachspiel" von Frieder Schwenkel hingegen wird einem Mann eine Art Schach-Chip ins Gehirn implantiert, was ihm aber gar nicht gut bekommt.
In manchen Romanen werden sogar explizit ganze Schachpartien gespielt. Da es für einen Autor aber sehr schwierig ist eine interessante und dramaturgisch korrekte Partie zu erfinden, nimmt er einfach eine klassische Partie. Eine der schönsten ist die in Issac Asimov´s Roman "Pebble in the Sky" gespielte Partie Werlinski-Löwenfisch, Moskau 1924. Leider wurde die Partie in der ersten Goldmann-Ausgabe fast vollständig herausgekürzt. Erst in der gerade erschienen ungekürzten Neuausgabe des Heyne Verlages ist sie vollständig enthalten. An dieser Stelle möchte ich auch die Partie Rösch-Schlage, Hamburg 1910, erwähnen, die im Film "2001 - A Space Odyssey" von Hal-9000 und dem Astronauten Poole gespielt wird, in der Romanfassung von Arthur C. Clarke explizit aber gar nicht vorkommt. Sie sollte den Computer im Film wohl etwas menschlicher wirken lassen.
Eines der interessantesten der hier vorgestellten Bücher ist aber zweifellos John Brunners Roman "The Squares of the City". Die gesamte Handlung basiert, Zug für Zug, auf der Partie Steinitz-Tschigorin, Havanna 1892. Die 32 Individuen, die mit den jeweiligen Figuren korrespondieren, haben den von ihnen dargestellten Figuren vergleichbare Fähigkeiten bzw. Eigenschaften. Alle Wechselbeziehungen zwischen den Figuren sind so originalgetreu wie möglich in der Handlung wiedergegeben. Allerdings ist in der Erzählung die Partie drei Züge kürzer, da Maria Posador Boyd Hakluyt nicht schlägt (d.h. erschießt).
Auch "Alice hinter den Spiegeln"  von Lewis Carroll folgt den Zügen einer Schachpartie. Beim Durchqueren eines Spiegels entdeckt Alice eine lebendig gewordene Schachwelt, in der sie die Funktion eines weißen Bauern übernimmt. Zu den Figuren, die sie trifft, gehören die sich ewig streitenden Tweedledum und Tweedledee, Humpty Dumpty und der weiße Springer, der sie rettet (und wohl eine Personifikation des Autors darstellt). Beim Erreichen des letzten Feldes wird Alice, den Schachregeln gemäß, zur Königin gekrönt, worauf sie die rote Königin fängt und den roten König matt setzt. Zum Schluß erwacht sie wiederum aus einem Traum und fragt sich, wer hier wen geträumt hat.
"The Warlock of Night" von Dahlov Ipcar beschreibt das Thema des Krieges. In grausamen Schlachtszenen wird eine Schachspiel zwischen dem Land der Nacht und dem Land des Tages beschrieben, wobei ein allwissender Rabe eine Rolle spielt. Auch in Rosemary Sutcliff´s Chess-Dream in a Garden kämpfen Gudmund der Weiße König, seine Königin Hrosmunda, und Alrek der Ritter gegen eine Invasion der Roten Horde in einer Schlacht, die einer Schachpartie ähnelt. Die Welt des Romans "Queenmagic, Kingmagic"  von Ian Watson ist gleichfalls strukturiert wie Schachspiel.
In Barry N. Malzbergs Roman "Tactics of Conquest" werden zwei Schachmeister von Aliens entführt und müssen um das Schicksal der Welt spielen. "Closed Sicilian" ist lediglich eine Kurzfassung der gleichen Geschichte. Auch in Roger Zelazny´s Geschichte "Unicorn Variation" muß ein schachbesessener Tramp um den Erhalt der menschlichen Rasse spielen; diesmal ist sein Gegner ein schwarzes Einhorn. In Unsound Variations von George R.R.Martin hingegen bekämpfen sich Schachspieler mit Hilfe einer Zeitmaschine gegenseitig. Auch in The "Chessplayers" von Charles Harness verhalten sich die Schachspieler nach Ansicht des Vermieters so merkwürdig, daß ihm die ein Simultanturnier spielende Ratte nicht weiter auffällt. In Peter Marginters Kurzgeschichte "Da capo al fine" finden dann Archäologen in ferner Zukunft ein Schachbrett und kommen zu merkwürdigen Schlußfolgerungen über unsere Kultur.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn es in manchen Schachgeschichten sogar übersinnlich zugeht. In The "Chess Garden" von Brooks Hansen werden Briefe mit Hilfe von Schachfiguren versand. In "La variante di Lüneburg" von Paolo Maurensig hingegen bestrafen die Figuren eines magischen Schachspiels den Spieler mit Stromschlägen für falsche Züge und belohnen die richtigen Züge auf seltsame Weise. In Victor Contoski´s Kurzgeschichte "Von Goom´s Gambit" wird ein Mann geschildert, der mit zehn Jahren zu sprechen aufhört und mit 30 Schach zu spielen beginnt. Er verliert jede Partie bis er durch Zufall ein Gambit entdeckt,das magische Wirkung hat: Seine Gegner werden verrückt, epileptisch, autistisch oder sterben. Der Weltschachverband beschließt, den Erfinder des unheilvollen Gambits zu beseitigen. In "The Three Sailor´s Gambit" von Lord Dunsany verkauft ein Matrose sogar seine Seele an den Teufel für eine Kristallkugel, die ihm die richtigen Züge zum Gewinn jeder Partie vorsagt. Als am Ende drei Matrosen gegen die besten Schachspieler Englands nur mit einer Reihe Bauern spielen, gewinnen sie zwar, aber die Kugel zerspringt. Fritz Leiber´s Kurzgeschichte "Midnight by the Morphy Watch" erzählt hingegen von einer magischen Uhr, die die Geister von Morphy, Steinitz, Aljechin und Nimzowitsch gefangen hält und ihren Besitzer zwingt im Traum ununterbrochen Schach zu spielen.
In seinem berühmten Roman "Der Golem" hat Gustav Meyrink dann dem Schachmeister Rudolf Charousek ein literarisches Denkmal gesetzt.
In der Literatur tauchen auch einige, dem Schach verwandte Spiele auf. Das bei weitem ähnlichste ist „Kaissa“ 
Der Hinweis auf Schach ist hier schon im Namen enthalten, denn Caïssa ist bekanntlich die Muse des Schachspiels. M. F.
           aus dem "Gor"-Zyklus von John Norman. Es wird auf einem kleinen Brett mit 10x10 roten und gelben Quadraten gespielt. Die meisten Figuren ziehen so wie die entsprechenden Schachfiguren. Kaissa, für die Handlung eher unbedeutend, ist aber Teil des sorgfältig herausgearbeiteten Hintergrundes. So wird z.B. auf den Seiten 56-72 der deutschen Ausgabe von Beasts of Gor ein Kaissa-Turnier ausführlich beschrieben. In dem Roman Players of Gor wird dann nicht nur ständig gespielt, auch auf dem Cover der deutschen Ausgabe sind zwei Kaissa-Spieler abgebildet.
In "Second Game" von Charles V. deVet und Katherine MacLean wird ein Schachmeister als Diplomat eingesetzt um herauszufinden, warum eine außerirdische Rasse jeden Kontakt ablehnt. Auch ein schachähnliches Spiel ist dabei bedeutsam. Die Kurzgeschichte "A Game of Vlet" von Joanna Russ handelt von einem komplizierten schachähnlichen Spiel namens "Vlet". Das Brettspiel "Vlet" wird übrigens auch in dem Roman "Triton" von Samuel Delany gespielt, ohne das dort aber auf die Regeln eingegangen wird. In "Without a Thought" von Fred Saberhagen versuchen sich ein menschlicher Kampfpilot und eine außerirdisches Robotschlachtschiff mit Hilfe eines vereinfachten Schachspiels gegenseitig auszutricksen.

Zum Schluß möchte ich noch kurz auf Film und Fernsehen eingehen. Bekannt sind z.B. die Szenen, in den Mr. Spock in "Star Trek" sein berühmtes 3D-Schach spielt. Wegen der geringen Zahl von Feldern und der asymmetrischen Anordnung
 glaube ich allerdings nicht, das man auf dem im Fernsehen gezeigten Gebilde wirklich richtig spielen kann. Es war wohl eher ein optischer Gag des Requisiteurs. Schwieriger zu beurteilen ist dagegen das Spiel das R2-D2 und Chewbacca angeblich mit holografischen Minimonstern in einem Film der "Star Wars"-Trilogie spielen. Das ist aber im Grunde egal, da es auf jeden Fall ein gelungener Spezialeffekt war und mehr sollte es wohl auch nicht sein.

Bibliografie:

a) Romane:
Anderson, Poul (1970): A Circus of Hells, Signet (dt.: Höllenzirkus, Heyne 06/3350, München 1973).
Asimov, Isaac (1950): Pebble in the Sky, Doubleday (dt.: Ein Sandkorn am Himmel, in: Die Größe des Imperiums, Heyne 06/8106, München 1997).
Brunner, John (1965): The Squares of the City, Ballantine (dt.: Die Plätze der Stadt, Heyne 06/3688, München 1980).
Burroughs, Edgar Rice (1922): The Chessmen of Mars, ?
Carroll, Lewis (1871): Through the Looking Glas, ? (dt.: Alice hinter den Spiegeln, Insel it 97, Frankfurt a.M. 1974)
Clarke, Arthur C. (1968): 2001 - A Space Odyssey, ? (dt.: 2001 - Odyssee im Weltraum, Econ, Düsseldorf 1969).
Gerrold, David (1987): Chess with a Dragon, Walker.
Hansen, Brooks(1995): The Chess Garden or the Twilight Letters of Gustav Uyterhoeven, Farrar Straus & Giroux.
Ipcar, Dahlov (1969): The Warlock of Night, ?
Klein, Gérard (1958): Le gambit des étoiles, ?
Malzberg, Barry N. (1973): Tactics of Conquest, Pyramid Books, New York (dt.: Eroberungstaktiken, Heyne 06/5340 München 1995).
Maurensig,Paolo (1993): La variante di Lüneburg, Adelphi edizioni, Milano (dt.: Die Lüneburg-Variante, Insel, Frankfurt a.M. 1994).
Meyrink, Gustav (1915): Der Golem, Ullstein 20140, Frankfurt a.M. 1981.
Norman, John (1978): Beasts of Gor, DAW Books, New York (dt.: Die Bestien von Gor, Heyne 06/3875, München 1982).
 -   (1984): Players of Gor, DAW Books, New York (dt.: Die Spieler von Gor, Heyne 06/5125, München 1995).
Padgett, Lewis (1951): The Fairy Chessmen, ? (dt.: Gefährliches Schachspiel, Utopia Großband 108, Erich Pabel Verlag, Rastatt 1959).
Sutcliff, Rosemary (1993): Chess-Dream in a Garden, ?.
Watson, Ian (1986): Queenmagic, Kingmagic, Gollancz, London.

b) Anthologien:
Edlinger, Karl Andreas (Hrsg.) (1979): Matt in sieben Zügen, Paul Neff Verlag, Wien. [enthält: Bierce, Calvino, Dunsany, Harness, Marginter, Schwenkel, Rogoz]
Saberhagen, Fred & Joan (Hrsg.) (1982): Pawn of Infinity, Ace, New York. [enthält: Anderson, Berman, Bierce, Contoski, Gilbert, Leiber, Martin, Russ, Saberhagen, Wolfe, Zelazny]

c) Kurzgeschichten:
Anderson, Poul (1954): The Immortal Game, in: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Februar 1954.
Berman, Ruth (1974): A Board in the Other Direction, in: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Januar 1974.
Bierce, Ambrose (1910): Moxon´s Master, in: Collected Works, Vol. 3, Neale (dt. Moxons Herr und Meister, in: A. Bierce: Mein Lieblingsmord, Insel Verlag, Frankfurt a.M. 1963.
Calvino, Italo (1972): ?, ? (dt. Schachparabel, in: I. Calvino, Die unsichtbaren Städte, Hanser Verlag, München 1976.
Contoski, Victor (1966): Von Goom´s Gambit, in: Chess Review, April 1966.
de Vet, Charles V.,
MacLean, Katherine (1958): Second Game, Astounding, März 1958 (dt. Das zweite Spiel, in: Isaac Asimov, Martin H. Greenberg, Charles G. Waugh(Hrsg.): Utopia der Detektive, Bastei-Lübbe 23057, Bergisch-Gladbach 1986).
Dunsany, Lord (1916): The Three Sailor´s Gambit, ? (dt.: Seemannsgambit, in: L. Dunsany: Das Fenster zur anderen Welt,Insel Verlag, Frankfurt a.M. 1971).
Gilbert, Daniel (1982): Kokomu, in: F. & J. Saberhagen (Hrsg.): Pawn of Infinity, Ace, New York
Harness, Charles L. (1953): The Chessplayers, ? (dt. Schachspieler, in: Die Rose, Heyne 06/3242, München 1971).
Leiber, Fritz (1974): Midnight by the Morphy Watch, in: Worlds of If, Juli/August 1974 (dt.: Gespenster-schach, in: W. Spiegl (Hrsg.):Science Fiction Stories 76, Ullstein SF 31002, Frankfurt a.M. 1979).
 -   (1962): The 64-Square Madhouse, in: If, Mai 1962.
Malzberg, Barry N.: Closed Sicilian, in: Edward L. Ferman (ed.): The Magazine of Fantasy and Science Fiction, November 1973.
Marginter, Peter (1979): Da capo al fine, in: K. A. Edlinger (Hrsg.): Matt in sieben Zügen, Paul Neff Verlag, Wien 1979.
Martin, George R.R.: Unsound Variations, in: Amazing, Januar 1982 (dt.: Aussichtslose Varianten, in: H. J. Alpers (Hrsg.): Kopernikus 7, Moewig SF 3587, Rastatt 1982).
Rogoz, Adrian (?): ?, ? (dt.: Der Preis des Abgrunds, in: K. A. Edlinger (Hrsg.): Matt in sieben Zügen, Paul Neff Verlag, Wien 1979.
Russ, Joanna (1974): A Game of Vlet, in: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Februar 1974.
Saberhagen, Fred (1963): Without a Thought, in: If, Januar 1963 (dt.: Der Berserker, in: R. Silverberg (Hrsg.): Menschen und Maschinen, Moewig Terra Tb 181, München 1970).
Schwenkel, Frieder (?): Ein Leben für das Schachspiel, in: Rochade ?.
Wolfe, Gene (1977): The Marvelous Brass Chessplaying Automaton, in: T.Carr (ed.): Universe 7, Doubleday (dt.: Der wunderbare messingne Schachautomat, in: W. Jeschke (Hrsg.): Science Fiction Story Reader 11, Heyne 06/3627, München 1979).
Zelazny, Roger (1981): Unicorn Variation, in: Isaac Asimov´s Science Fiction Magazine, April 1981 (dt.: Die Einhorn-Variante, in: F. Wahren (Hrsg.): Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin - 15.F., Heyne 06/3913, München 1982).

d) Sekundär:
Saberhagen, Fred & Joan (1982): Introduction, in: Fred und Joan Saberhagen (ed.): Pawn of Infinity, Ace, New York.
Stewart, Alfred (1982): Reflections on the Looking-Glass, in: Fred und Joan Saberhagen (ed.): Pawn of Infinity, Ace, New York.

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letzte Änderung am 27.August MCMXCVIII